Prädiabetes: Warum ein gesunder Lebensstil im Alter besser schützt als Metformin

Dominik Hübenthal
Prädiabetes & Alter: Lebensstil schützt besser als Metformin

Wer im mittleren Alter an Prädiabetes leidet, steht oft vor der Frage: Wie lässt sich Schlimmeres verhindern? Eine aktuelle Auswertung einer großen Langzeitstudie bringt nun Klarheit – und erteilt der reinen medikamentösen Vorbeugung mit Metformin in Bezug auf chronische Begleiterkrankungen eine Absage. Vielmehr ist es der gesunde Lebensstil, der Senioren langfristig vor Multimorbidität schützt.

Die Pille gegen das Altern? Metformin auf dem Prüfstand

Das Medikament Metformin ist nicht nur ein bewährtes Mittel gegen Typ-2-Diabetes, sondern wird in einigen Kreisen seit Jahren als potenzielles „Anti-Aging-Wundermittel“ gehandelt. Doch eine im renommierten Fachjournal JAMA veröffentlichte Analyse dämpft diese Hoffnungen deutlich. Forscher werteten die Daten des US-amerikanischen „Diabetes Prevention Program“ (DPP) sowie der dazugehörigen Langzeitbeobachtung (DPPOS) aus. Über mehr als zwei Jahrzehnte hinweg wurden dabei über tausend Patienten begleitet, die zu Beginn der Studie ein hohes Risiko für Diabetes aufwiesen.

Die Teilnehmenden wurden ursprünglich in drei Gruppen eingeteilt:

  • Intensive Lebensstilintervention: Umstellung der Ernährung, Gewichtsabnahme und regelmäßige Bewegung.
  • Medikamentöse Behandlung: Zweimal tägliche Einnahme von Metformin.
  • Placebo-Gruppe: Einnahme eines Scheinmedikaments.

21 Prozent geringeres Risiko durch Bewegung und Diät

Das zentrale Ergebnis der über 21 Jahre laufenden Beobachtung ist eindeutig: Die Gruppe, die ihren Lebensstil aktiv veränderte, wies ein um 21 Prozent geringeres Risiko auf, im Alter an Multimorbidität – also an zwei oder mehr chronischen Krankheiten gleichzeitig – zu leiden. Zu den angestrebten Zielen der Lebensstil-Gruppe gehörten unter anderem eine Gewichtsreduktion von mindestens sieben Prozent sowie mindestens 150 Minuten moderate körperliche Aktivität pro Woche.

Im Gegensatz dazu konnte bei den Probanden, die ausschließlich Metformin einnahmen, keine statistisch signifikante Verringerung des Multimorbiditätsrisikos im Vergleich zur Placebo-Gruppe festgestellt werden. Laut den Studienautoren unterstreicht dies, dass Medikamente zwar den Blutzucker regulieren können, aber nicht die weitreichenden, positiven Effekte eines gesunden Alltags auf den gesamten Organismus simulieren.

Was bedeutet das für die Pflege und das Gesundheitssystem?

Multimorbidität ist eine der größten Herausforderungen für das moderne Gesundheitssystem. Wenn ältere Menschen gleichzeitig an Diabetes, Herz-Kreislauf-Erkrankungen oder Nierenproblemen leiden, sinkt nicht nur die Lebensqualität drastisch, sondern auch der Pflegebedarf steigt rapide an. Die Vermeidung oder Verzögerung solcher chronischen Mehrfacherkrankungen ist daher von unschätzbarem Wert für die Selbstständigkeit im Alter.

Prävention als Schlüssel zum gesunden Altern

Die Erkenntnisse aus der Publikation senden eine starke Botschaft an Patienten und behandelnde Ärzte: Es gibt keine magische Pille für ein gesundes Altern. Wer frühzeitig in seine Gesundheit investiert, profitiert Jahrzehnte später massiv davon. Eine ausgewogene Ernährung und regelmäßiger Sport bleiben die effektivsten Instrumente, um nicht nur Diabetes, sondern auch einem von Krankheit geprägten Lebensabend vorzubeugen.

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