Diabetes-Medikamente: Neue Studie zeigt Einfluss auf Geruch und Geschmack

Benedikt Hübenthal
Typ-2-Diabetes: GLP-1-Medikamente können die Sinne stören

Medikamente aus der Gruppe der GLP-1-Rezeptor-Agonisten, die häufig zur Behandlung von Typ-2-Diabetes und starkem Übergewicht eingesetzt werden, erfreuen sich weltweit enormer Beliebtheit. Doch während die blutzuckersenkenden und gewichtsreduzierenden Effekte unbestritten sind, rücken zunehmend auch seltene Nebenwirkungen in den Fokus der medizinischen Forschung. Eine aktuelle Auswertung von Gesundheitsdaten liefert nun Hinweise auf eine bislang wenig beachtete Begleiterscheinung: Störungen des Geruchs- und Geschmackssinns.

Umfassende Datenanalyse deckt neues Risiko auf

Wie eine in der renommierten Fachzeitschrift JAMA Otolaryngology-Head & Neck Surgery veröffentlichte Studie zeigt, haben Patienten, die mit GLP-1-Medikamenten behandelt werden, ein erhöhtes Risiko für sensorische Beeinträchtigungen. Für die Untersuchung griffen die israelischen Wissenschaftler Nir und Jonathan Zontag von der Hebräischen Universität in Jerusalem auf die globale Gesundheitsdatenbank TriNetX zurück. Sie analysierten die anonymisierten Akten von rund 876.000 Menschen mit Typ-2-Diabetes über einen Zeitraum von zwei Jahren.

Die Ergebnisse der Studie sind aufschlussreich:

  • Das allgemeine Risiko für Riech- und Schmeckstörungen stieg unter der Einnahme von GLP-1-Agonisten im Vergleich zu anderen Diabetes-Medikamenten um 48 Prozent.
  • Besonders das Risiko für Geruchsstörungen (wie ein kompletter oder teilweiser Verlust des Geruchssinns) war mit einem Anstieg von 81 Prozent signifikant erhöht.
  • Die Wahrscheinlichkeit für Geschmacksstörungen nahm um 52 Prozent zu.

Warum beeinflussen die Medikamente unsere Sinne?

Die Forscher vermuten, dass der Zusammenhang anatomische Ursachen hat. Die sogenannten GLP-1-Rezeptoren, an denen das Medikament im Körper andockt, befinden sich nicht nur in der Bauchspeicheldrüse oder im Magen-Darm-Trakt, sondern auch in den Geschmacksknospen auf der Zunge und im Riechkolben des Gehirns. Ein Eingriff in dieses System könnte demnach die Verarbeitung von Sinnesreizen direkt beeinflussen.

Experten geben Entwarnung: Nutzen überwiegt

Trotz der prozentual deutlichen Steigerung betonen Mediziner, dass es keinen Grund zur Panik gibt. Das absolute Risiko bleibt äußerst gering: Lediglich 0,37 Prozent der GLP-1-Nutzer berichteten über derartige Beschwerden, verglichen mit 0,22 Prozent in der Kontrollgruppe. Experten sind sich einig, dass für Patienten mit schlecht eingestelltem Diabetes, Herz-Kreislauf-Erkrankungen oder schwerer Adipositas die gesundheitlichen Vorteile der Therapie das Risiko einer leichten sensorischen Störung bei Weitem überwiegen.

Dennoch fordern die Studienautoren eine erhöhte Aufmerksamkeit. Ärzte sollten bei der Verschreibung dieser Medikamente auf mögliche Veränderungen des Geruchs- und Geschmackssinns achten, da diese Sinne entscheidend für die Lebensqualität und ein gesundes Essverhalten sind. Patienten, die unter der Behandlung eine Abstumpfung ihrer Sinne bemerken, wird geraten, dies bei ihrem nächsten Arztbesuch anzusprechen, anstatt die Medikation eigenmächtig abzusetzen.

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